Von: Offener Brief
Offener Brief an ...
OB Andreas Starke, BM Werner Hipelius, Staatssekretärin Melanie Huml,alle Stadtratsfraktionen Bambergs
Situation und Zukunftssicherung des Kanusports in Bamberg
Sehr geehrte Damen und Herren,
kennen Sie Bamberg vom Wasser aus? Wenn nein, sollten Sie die einmalig schöne Bamberger Stadtrundfahrt auf dem Main-Donau-Kanal und der Regnitz mit dem Kanu erleben!
Dieses unvergleichliche Natur- und Kulturerlebnis wird aber immer wieder behindert und in Frage gestellt.
Die jüngste Sperrung des Zugangs zur Ein- und Ausstiegsstelle für Kanuten an der Regnitz unter der Friedensbrücke im Zuge von Baumaßnahmen für die Landesgartenschau veranlasste die Unterzeichner zu diesem Offenen Brief.
Wir beklagen, viel zu selten, zu spät oder gar nicht informiert und gehört zu werden, wenn es um Planungen und Maßnahmen geht, die direkte Auswirkungen auf das Kanu fahren in Bamberg haben. Die Folge sind im besten Falle verpasste Chancen, die Bedingungen für das Kanu fahren in Bamberg zu verbessern, im schlimmsten Falle Behinderungen und Gefahren.
Wir möchten hier nur ein paar Beispiele für Gefahren und Behinderungen nennen:
- aktuelle Sperrungen unter der Friedensbrücke
- Umbau der Bamberger Welle am Alten Rathaus mit der Folge, dass eine lebensgefährliche Situation entstanden ist und die Bamberger Welle nicht mehr besteht
- ersatzloser Verlust der bisher gut genutzten Ein- und Ausstiegsmöglichkeit am Schloss Geyerswörth nach der Sanierung des Uferwegs
Aus unserer Sicht ist es sinnvoll und notwendig, dass wir frühzeitig z.B. in folgende Vorhaben eingebunden werden:
- Bauarbeiten am Uferweg oberhalb der Friedensbrücke mit Ufergestaltungen an der Regnitz
- Planungen der Landesgartenschaugesellschaft (Rampe, Plattform) und des Wasser- und Schifffahrtsamtes (Biotop) am Rechten Regnitzarm/Main-Donau-Kanal
- Planungen des EBB für den zweiten Fischpass im Hain
- Planungen der Landesgartenschau zwischen Friedensbrücke und Fischpass Erba
- Planungen der Stadtwerke Bamberg am P&R Heinrichsdamm
Unser Ziel ist es, die Stadtrundfahrt mit dem Kanu langfristig auch für Gäste und Bewohner Bambergs möglich zu machen. Dazu gehört vor allem die Neugestaltung einer Ein- und Ausstiegsstelle an der Friedensbrücke - nutzbar auch mit dem Drachenboot (12 m lang) - im Zusammenspiel mit der Gestaltung einer Umtragemöglichkeit zum Weidendamm und einer Einsatzstelle in den Rechten Regnitzarm/Main-Donau-Kanal. Die aktuellen Baumaßnahmen bieten hier die einmalige Chance, diese Ziele mit wenig Aufwand zu erreichen.
Viele auswärtige Kanuten kommen nach Bamberg, um die schöne Bamberger Stadtrundfahrt mit dem Kanu zu erleben. Diese Touristen erwarten zu Recht, ausreichend viele, gut zugängliche und ordentlich ausgebaute Ein- und Ausstiegsstellen vorzufinden. Darüber hinaus ist der freie Zugang zur Sportstätte Wasser existentiell für den Bamberger Faltboot-Club e. V. und den ortsansässigen Kanu-Touren-Anbieter, der dieses Aktion mit einem eigenen Schreiben unterstützt (siehe Anlage).
Zwei der oben genannten Beispiele wollen wir hier etwas ausführlicher erklären, damit Sie verstehen, welche Tragweite bestimmte Vorgehensweisen haben können:
Die bisherige Ausstiegsstelle unter der Friedensbrücke wird regelmäßig - nahezu täglich - von den verschiedenen Aktiven im BFC als Zugang zur Regnitz genutzt. Kanuslalom- und Wildwasserfahrer starten von hier zum Training am Alten Rathaus, Wanderfahrer beenden häufig hier ihre Rundfahrt durch Bamberg. Auch unter den auswärtigen Bootstouristen ist der Ausstieg bekannt und beliebt, da die Friedensbrücke mit dem PKW leicht anzufahren ist und schwere Boote wie z.B. große Canadier nur ein kurzes Stück zum Bootsanhänger zu tragen sind. Eine Sperrung aller Zugänge kann somit auch auswärtige Besucher in Not bringen, wenn sie den gewohnten/geplanten Endpunkt ihrer Kanutour nicht nutzen können. Für die Aktiven des BFC bedeutet die aktuelle Sperrung einen erheblichen Eingriff in den Sport- und Trainingsalltag, nicht alle Gruppen (vor allem nicht Kinder- und Jugendgruppen) können ihre Kajaks auf Autos laden und auf einen anderen Einstieg oder sogar den Main ausweichen!
Auch am Main-Donau-Kanal steht zu befürchten, dass im Rahmen der Baumaßnahmen zur Landesgartenschau (Bau der Aufgangsrampe vom Kanalufer am Weidendamm auf das Niveau des BFC-Geländes) massive Einschränkungen des Sportbetriebes auf uns zukommen. Beginnen die Erdbauarbeiten für den zukünftigen Haupteingang der LGS über diese Rampe (bisheriger gemeinsamen Zugang der Wasserwacht und des BFC zum Main-Donau-Kanal), kann es zu drastischen Behinderungen bis hin zum "Ausgesperrt-Sein" durch Bauzäune kommen. Dies würde einen geregelten Sportbetrieb nahezu unmöglich machen. Kajak- und Canadierkurse, Schulsport-Stunden des DG und des FLG, regelmäßige Ausfahrten und der Trainingsbetrieb wären in Gefahr! Ebenso könnten Bootswanderer, die die Campingmöglichkeiten am Faltboot-Club schon seit Jahren und teils Jahrzehnten nutzen, nicht mehr anlanden. Damit wäre der bisher gute Ruf Bambergs als Wasser-Touristenstadt aufs Spiel gesetzt!
Der freie Zugang zum Main-Donau-Kanal und zur Regnitz während der Bauphase, sowie während und nach der Landesgartenschau sind deshalb unabdingbare Voraussetzungen für alle Kanusportler und Wasserwanderer in Bamberg. Eine frühzeitige Information bei anstehenden Baumaßnahmen sollte im Sinne einer guten Nachbarschaft eigentlich selbstverständlich sein.
In den aktuellen Gestaltungen im Zusammenhang mit der Landesgartenschau 2012 sehen wir die große Chance, zukunftsweisende und notwendige Maßnahmen im Sinne des Flussparadieses Franken umzusetzen (siehe beiliegendes Konzept) - und dies ohne großen finanziellen Mehraufwand!
Der BFC hat Bamberg gerade in den letzten Jahren durch Spitzenplatzierungen im Kanuslalom und den Bamberger Kanuslalom im Weltkulturerbe "Rund um das Alte Rathaus" 2010 wieder deutschlandweit ins Gespräch gebracht. Aber auch der Breitensportbereich des BFC verdient jede Unterstützung aller Verantwortlichen in der Politik. Alleine in diesem Jahr wurden Kanukurse für weit mehr als 100 Schüler und Jugendliche angeboten, die hier eine sinnvolle Freizeit- und Ferienbeschäftigung erfuhren. Selbstverständlich bietet der Kanusportverein auch Erwachsenen und Familien ein breitgefüchertes Angebot rund ums Jahr und sorgt durch fundierte Aus- und Weiterbildung dafür, dass Kanusport umweltgerecht und sicher betrieben wird.
Diese wertvolle, weil langfristig wirkende "Arbeit" sollte Ihre volle Unterstützung erfahren!
Wir wollen Ihnen als Verantwortlichen in der Stadt und in der Politik deutlich machen, dass die Grundlage fürs Kanu fahren in Bamberg momentan in mancher Hinsicht aufs Spiel gesetzt wird! Vorgespräche beispielsweise mit der Landesgartenschaugesellschaft sowie BAURCONSULT haben bereits stattgefunden und sind auch grundsätzlich positiv verlaufen. Weitere Gespräche sind in Planung. Allerdings scheint das Thema Kanu fahren in Bamberg derzeit trotz aller guter Voraussetzungen bei der Umsetzung zu scheitern bzw. unter den Tisch zu fallen. Statt Verbesserungen erleben wir vor Ort oftmals eine Verschlechterung der Situation und sogar eher zunehmende Konflikte bzw. Ressentiments mit verschiedenen Interessensgruppen an der Regnitz.
Wir wünschen uns für die Zukunft, dass die Stadt Bamberg alle beteiligten Interessensgruppen an einen Tisch bringt mit dem Ziel, miteinander, nicht nebeneinander oder sogar gegeneinander zu agieren. So kann die vorhandene Fachkompetenz genutzt werden, um Gefahrenstellen und Konflikte zu minimieren und das Potenzial an der Regnitz f�r Naherholung, Tourismus und Sport im Einklang mit der Natur, den Fischern, der Schifffahrt und den Anliegern zu nutzen.
Die wichtigsten und dringlichsten Probleme, bei denen wir auf Ihre Unterstützung hoffen sind:
- ein freier Zugang zu den Gewässern
- die Vorgabe, die Kanufahrer frühzeitig bei anstehenden Projekten wie z. B. "Fischpass im Hain" und Maßnahmen der Landesgartenschau (Friedensbrücke, Rechter Regnitzarm/Main-Donau-Kanal) als wichtige Partner und betroffene Nutzer zu beteiligen
Gerne suchen wir gemeinsam nach Lösungsmöglichkeiten für die anstehenden Fragen. Wir hoffen auf Ihre Unterstützung und auf die baldige Einladung zu einem gemeinsamen Termin.
Dr. Michael Steber Gerd Mietusch Dr. Anne Schmitt
Vorsitzender Präsident Geschäftsführerin
Bamberger Faltboot-Club e.V. Bayerischen Kanu-Verband e.V. Flussparadies Franken e.V.
- Dateien:
Offener_Brief_20100909.pdf283 K